Brainfood 17.5.2019

From heyday to mayday - titelte jüngst die Finanzpresse zum Zustand der Generika Branche. Die Aktien der führenden Anbieter wie Mylan oder Teva sind seit geraumer Zeit auf Talfahrt, wobei sich der Abwärtstrend noch verstärkt hat.

Wo stecken die Probleme der Branche? In den Jahren 2014/15 überboten sich die Unternehmen mit fehlgeleiteten Fusionen. Hinzu kommen neuerdings juristische Schwierigkeiten wegen Preisabsprachen, die bis ins Jahr 2006 zurückreichen. Kurz: Den Akteuren ist es nicht gelungen, die Hoffnungen auf Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen zu erfüllen.

 

Das theoretische Potential der Branche verpackte Pictet vor vielen Jahren in einen Themenfonds. Mit dem Generics Fund sollten Anleger von den strukturellen Veränderungen der Pharmaindustrie profitieren. Wie das aber häufig mit Megatrends so ist, geht die Rechnung möglicherweise für den Produktanbieter, jedoch nicht für die Anleger auf. Aus dem Generics wurde mittlerweile der Pictet Health Fund . Von Generikaherstellern ist nicht mehr die Rede und der Anleger fährt auch zukünftig mit einem passiven Sektor ETF besser.

Fleischersatz  - vegan und/oder synthetisch aus dem Reagenzglas ist der letzte Schrei. Das IPO von Beyond Meat ist der vorläufige Höhepunkt der Euphorie. Die Börse gewährt dem Unternehmen (2018: Umsatz USD 88 Millionen, Verlust 33 Millionen) eine unsinnige Bewertung von USD 5.4 Mrd., was mit Bestimmtheit den Investoren der ersten Stunde, Bill Gates oder Leonardo di Caprio, Freude bereitet.

 

Veganomics heisst der Trend und dieser braucht nicht immer High Tech zu sein. In Grossbritannien macht die Bäckereikette Gregg's von sich Reden. Das Unternehmen hat im Januar einen "Vegan Sausage Roll" lanciert und die Aktie ist seither um 60% gestiegen.

 

Zur Zeit ist nichts unmöglich. "Impossible Foods", ebenfalls mit veganem Fleischersatz unterwegs, hat diese Woche eine Finanzierung über USD 300 Million bei einer Bewertung von USD 2 Mrd. abgeschlossen. Auch dieses Unternehmen plant den baldigen Börsengang, auch hier werden prominente Mitinvestoren (Katy Perry und Serena Williams) Kasse machen.

 

Diskreter engagiert sich die Migros. Wie die NZZ berichtet, hat der Detailhändler in das israelische Startup Aleph Farms investiert. Mit der Kunstfleisch Technologie von Aleph Farms lässt sich innerhalb von Wochen aus tierischen Zellen ein Steak mutieren.

 

Bei dieser Dynamik und den grossen Zahlen würde es nicht verwundern, wenn demnächst die Finanzindustrie mit einem passenden Produkt an ihre Kunden gelangt. Aber aufgepasst: wie der Fall Generika zeigt, findet nicht jeder vermeintliche Megatrend ein gutes Ende für die Investoren.

Time is money - but timekeeping costs nothing. Soviel zur Realität in der Uhrenindustrie. Tatsächlich hat die ehrwürdige Armbanduhr im Zeitalter der smarten Uhren und Handys einen schweren Stand.

Die Spuren des Wandels machen sich in den Statistiken breit. Die Uhrenexporte stagnieren seit dem breiten Aufkommen von Smartwatches. Der Druck bleibt speziell im tiefpreisigen Segment hoch. Gleichzeitig entwickelt sich jedoch das Geschäft mit Luxusuhren weiterhin ansprechend. Es scheint, dass die schnellebigen digitalen Gadgets den Markt nicht gänzlich kannibalisieren können.

In diesem Umfeld wagt in London der führende englische Detailhändler von Luxusuhren "Watches of Switzerland" den Gang an die Börse. Das Unternehmen mit einem Umsatz von GBP 750 Millionen braucht Geld für die Expansion in die USA, rsp. der Private Equity Mehrheitsaktionär Apollo will Kasse machen. Das IPO ist weniger interessant, aber es erinnert uns wieder einmal an den Branchenführer Swatch.

Das Bild, das sich dem Anleger präsentiert, ist nicht schön. Der jüngste Rückschlag mag auf die Spannungen zwischen China und USA zurückzuführen sein. Ob der Markt zu negativ gestimmt ist, werden erst die Halbjahreszahlen zeigen. Möglicherweise ist die Skepsis überzogen, denn die Exportwerte waren seit Anfang Jahr nicht so schlecht.

 

Fazit: Wenn der Aktienmarkt einen zusätzlichen Rabatt von 10% offeriert, dann könnte die Swatch Aktie  einen zweiten Blick verdienen.

Kupfer  - Die Ausweitung des Handelskrieges zwischen Amerika und China bewegt die Märkte, z.B. im Bereich der konjunktursensitiven Basismetalle. Kupfer, auch bekannt als Dr. Copper, ist innerhalb eines Monats um 8% gefallen. Produzenten wie Glencore (-19%), FreeportMcMoran (-22%) oder BHP (-12%) traf es noch härter. Die Reaktion ist keine Überraschung, denn China, rsp. Asien sind die Motoren des globalen Wachstums. Der Preis korreliert stark mit der Exportaktivität der Region

 

Jenseits der kurzfristigen Launen der Märkte zeigen sich interessante Perspektiven . Ab Mitte des nächsten Jahrzehnts wird die Produktion nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten. Elektromobilität und nachhaltige Stromproduktion treiben den steigenden Bedarf an: Eine Windturbine mit 1 MW Kapazität benötigt beispielsweise 3 Tonnen Kupfer. Die Automobilindustrie verbraucht für die Herstellung eines konventionellen Fahrzeugs zwischen 9 und 25 Kilogramm des Metalls. In einem elektrisch betriebenen Auto werden 90 Kilogramm Kupfer verbaut. 

Gemäss Glencore CEO Glasenberg benötigt die Autoproduktion bei geschätzten 125 Millionen E-Fahrzeugen im Jahr 2030 rund 3 Millionen Tonnen zusätzliches Kupfer. Das sind grosse Volumen, wenn man bedenkt, dass BHP Billiton 2018 eine Jahresproduktion von 1.7 Millionen Tonnen erzielte.

 

Wie kann der Investor profitieren? Reine Kupferproduzenten wie Freeport bieten den grössten Hebel. Ein globaler Rohstoff-Riese wie z.B. Glencore ist eine Alternative, wobei der Anleger bei dieser Gesellschaft Exposure in Kohle oder Eisenerz sowie andere Sorgen mitkauft. Wer auf ETFs setzt, findet auch in diesem Bereich Möglichkeiten.

 

Greenwashing - ist kein neuer Begriff. So monierte die NZZ bereits 2012, dass ein "umfangreicher Nachhaltigkeitsbericht allein ein Unternehmen noch nicht nachhaltig macht."

Sieben Jahre später ist der Druck auf die Unternehmen, sich ihrer ökologischen Verantwortung zu stellen, nicht kleiner geworden. Durchsichtige PR Manöver, um sich als "Nachhaltigkeits-Champion" in der Öffentlichkeit zu positionieren, geraten nun auch ins Visier der Asset Management Branche. Die Vereinigung Climate Action 100+ beispielsweise, die weltweit über 300 institutionelle Investoren umfasst, nimmt gezielt Unternehmen ins Visier, die grosse CO2 Emittenten sind.

 

Soweit so gut. Auf der Target Liste figuriert auch Fiat Chrysler. Und dieses Unternehmen ist uns mit einer besonderen Nachhaltigkeits-Transaktion aufgefallen. Um die in der EU ab 2020 verschärften Vorgaben zur Reduktion der CO2 Emissionen erfüllen zu können, darf Fiat Emissions-Credits kaufen, sonst drohen Bussgelder im Zeitraum bis 2030 in der Höhe von EUR 1.8 Mrd. Der Konzern verdient sein Geld ausschliesslich mit amerikanischen "Gas Guzzler", wie dem Jeep Grand Cherokee. Dieses Fahrzeug emittiert z.B. 184g CO2 pro Kilometer. Erlaubt werden in Europa zukünftig im Durchschnitt 95g pro Kilometer über die gesamte Modellpalette sein.

In echter Greenwashing Manier hat Fiat Chrysler mit Tesla eine Vereinbarung getroffen, um sich für den Preis von gegen EUR 2 Mrd. mit CO2 Credits freizukaufen. Ob solche Zaubertricks dem Klima nützen oder Fiat helfen, den technologischen Rückstand aufzuholen, sei dahingestellt.

Zumindest die Aktionäre sollten hingegen genauer hinschauen. Während die deutschen Autobauer kursmässig am Boden liegen, profitiert die Fiat Chrysler Aktie immer noch von den Erfolgen der Ära Marchionne. Wenn man bedenkt, dass Firmen wie Volkswagen zum Sprung ins EV Zeitalter ansetzen, fällt die Wahl leicht.

Weekend Brainfood ist unsere Auswahl an Beachtenswertem, das im Verlauf der Woche aufgefallen ist. Kuratiert und ergänzt mit eigenen Meinungen.

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